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Wir sprechen doch alle Deutsch

Wir Schweizer:innen, wir Berner:innen vor allem, haben doch eine herzhafte Sprache. Wie ergeht es damit Menschen aus Deutschland? Wie können sie überhaupt bei uns ankommen? Solche Fragen sollten in diesem Gespräch geprüft werden.

Montag, 29. April 2024 Heinz Gfeller (76)
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Die Gesprächsteilnehmer:innen: Helmut, Katrin, Felicia. – Bild: Heinz Gfeller

Mit unserem Stichwort «Härzhaft» ist das Thema Berndeutsch angestossen, mit seinem interessanten Verhältnis zur hochdeutschen Standardsprache. Kaum jemanden beschäftigt dies wohl heftiger als die Mitmenschen, die einmal aus Deutschland in unsere Gegend gezogen sind. Drei von ihnen haben sich zum Gespräch zusammengesetzt.

Helmut Segner (69) stammt aus dem badischen Franken. Er erhielt ein Angebot, in der Schweiz zu arbeiten – als Biologe für die Universität Bern. Heute ist er Doppelbürger, er hat das aufwändige Einbürgerungs-Verfahren gemeistert. Auch war er mit einer Schweizerin verheiratet; die Muttersprache seines Sohns ist Schweizerdeutsch.

Katrin Ackermann (60) ist schon 1985 hergekommen, sie heiratete einen Schweizer, bekam so den Schweizer Pass geschenkt. Als Doppelbürgerin durfte sie glücklicherweise reisen – sie kam nämlich aus der DDR, aus dem thüringischen Weimar. Sie studierte in Bern; heute ist sie Deutschlehrerin am Gymnasium Thun.

Felicia Diez (26), Sozialpädagogin aus Stuttgart, wohnt seit eineinhalb Jahren in Thun, wo sie ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert hatte. Nicht die Liebe, eher die Landschaft bewog sie, sich hier niederzulassen.
Es darf gleich verraten werden: Alle drei «können sich nicht vorstellen zurückzugehen».

Dialekte überall

Kernpunkt unseres Gesprächs sollte das Berndeutsch sein; doch zugleich richtete sich der Blick auf die Muttersprache der Anwesenden. Die ist nicht eigentlich Hochdeutsch, sondern der jeweilige Dialekt – auch in Deutschland. Dieser galt jedoch in früheren Zeiten als unfein oder ungebildet; in der Öffentlichkeit zwang man sich oft, ihn zu unterdrücken. Heute ist das anders. Die Dialekte werden gepflegt; die Menschen stehen jetzt zu ihrem Akzent – den man sowieso wahrnimmt. Werbung gibt’s auf Schwäbisch… Tendenzen, die wir hier doch ähnlich feststellen.

Fokus Berndeutsch: Wie erleben Menschen mit einer anderen Muttersprache den vielfältigen Dialekt? – Bild: unplash

Nun aber ist den dreien die Muttersprache in die Ferne gerückt. Sie hat sich weiterentwickelt. Katrin Ackermann merkt plötzlich, dass sie in Thüringen wohl «altmodisch» klingt.

«Du redest schweizerisch», bekommt sie zu hören. Wie Felicia Diez, deren Bruder ihr sagt: «Du sprichst nicht mehr Schwäbisch.»
Dabei reden die drei durchaus nicht Berndeutsch. Sie schätzen dieses Idiom wohl; zugleich hat es sie vor ernste Probleme gestellt. Mit ihrer Ausdrucksweise kamen sie sich manchmal wie Fremdkörper vor. Alle empfanden die hiesigen Dialekte als «grosse Hürde, mega-schwierig» oder gar «abartig». In Bern ist «Dir» statt «Sie» höflich. Vornamen werden fast verstümmelt. Es gibt Laute, die Helmut Segner «anatomisch unmöglich» vorkommen (für Norddeutsche besonders schlimm). Dabei hört Helmut Berndeutsch, diese blumige Sprache, gern; doch es sich aneignen zu wollen, da hätte er Hemmungen: «Wenn nicht sauber, dann lieber nicht.» Katrin kennt «abschreckende Beispiele» von Deutschen, die meinen, Schweizer Mundart zu können.

«Es braucht Zeit, bis alle wissen, dass man mit mir ‹normal› reden kann.»

Felicia Diez

Die Sprache als Hindernis: Felicia hat das zunächst stark erlebt. Sie hatte Angst aufzufallen. Und für ihre Arbeit als Sozialpädagogin galt der Dialekt als unumgänglich. Kinder könnten vor ihrer Sprache erschrecken, hiess es; sie müssten, zumindest in Krisen, ihre Muttersprache vernehmen. Bei der Stellensuche erhielt Felicia, die so gut ausgebildet ist wie irgendwer, regelmässig Absagen. Erst durch persönliche Empfehlungen kam sie zu Arbeit.

Helmut hat in eher akademischen Kreisen positivere Erfahrungen gemacht. Meist wird zu Beginn von Sitzungen nachgefragt, ob man Dialekt sprechen dürfe.

Gegenseitig gehemmt

Dass sie Dialekt verstehen, ist für alle drei selbstverständlich – nicht unbedingt aber für hiesige Gegenüber. «Redet doch Dialekt mit mir», fordert Helmut sie auf. Und Felicia: «Es braucht Zeit, bis alle wissen, dass man mit mir ‹normal› reden kann.» Schweizer:innen haben halt ihrerseits Probleme mit dem Hochdeutschen. Wenn sie dieses anwenden, dann «übersetzen» sie; man spürt es am geleisteten Effort. Felicia berichtet, wie gehemmt eine Schweizer Freundin war, die sie in ihre Heimat mitgenommen hatte.

Sprache ist manchmal ein Hindernis: Überwinden ist nicht einfach. – Bild: unplash

Sogar bei unserem Gespräch – dem Moderator, immerhin Deutschlehrer, wird beschieden: Wenn er Berndeutsch spreche, wirke er schon authentischer. Katrin kennt das Problem aus der Schule zur Genüge: den «täglichen Kampf um die Standardsprache». Immerhin hätten die Widerstände der Jugendlichen abgenommen. Mündliche Kompetenzen steigen eher; die schriftlichen allerdings leiden.

Katrin Ackermann erinnert sich: Als sie damals hier ankam, empfand sie sich als «exotisches Vögelchen» und Teil einer Minderheit. Die Schweizer:innen interessierten sich zwar für die DDR; doch es gab wenige Deutsche hier. Nach dem Mauerfall änderte sich das stark. In der Öffentlichkeit, in vielen Berufen treffen wir heute ständig Deutsche an – nebst all den Anderssprachigen, mit denen wir’s auch auf Hochdeutsch versuchen müssen. Felicia Diez weiss: Wem die Standardsprache geläufig ist, wie ihr, der kann oft anderen helfen. Bei Bewerbungen zum Beispiel.

«Einer ihrer Grundsätze heisst wohl: Mau luege …»

Helmut Segner

Wir wollen vorsichtig damit umgehen, Verhalten oder Mentalitäten zu vergleichen. Immerhin fallen einige positive Bemerkungen. Helmut Segner, der nie Ablehnung erfahren hat, findet die Schweizer:innen gar kommunikativer als die Deutschen – höflicher, zurückhaltender, verbindlicher. Einer ihrer Grundsätze heisst wohl: «Mau luege …»

Noch eine hübsche Beobachtung von Katrin hierzu: Wenn im Spiel unter Kindern hier eines Hochdeutsch rede, sei es oft «der Böse oder Strenge», der Polizist etwa.

Wir wissen es, aber wir bekräftigen es an diesem Abend: Deutsche sind bei uns grundsätzlich willkommen. Wenn’s gut geht, wollen sie ja auch bleiben.

Persönliche Wünsche

Felicia Diez schreibt: «Die Schweiz zeichnet sich durch ihre Mehrsprachigkeit und Multikulturalität aus. Jedoch zeigt sich zugleich, dass die Menschen teilweise sehr verschlossen sein können oder etwas gegen meine Herkunft haben. Mein Wunsch ist es, die Förderung und den Respekt für die kulturelle Vielfalt zu stärken. Obwohl viele Menschen betonen, dass sie offen für Zugewanderte sind, habe ich wiederholt Situationen erlebt, in denen ich als Deutsche benachteiligt oder sogar diskriminiert wurde. Dies hat in mir ein unangenehmes Gefühl hervorgerufen, das ich zuvor noch nie erlebt hatte. Derartige Erfahrungen greifen meine Persönlichkeit an, die ich doch schätze, wie auch meine Herkunft. Mein Wunsch ist es, akzeptiert, angesehen und wie jede andere Person behandelt zu werden.»

Helmut Segner schreibt: «Ich wünsche mir, dass Schweizer:innen ihre «Kompromiss-Kultur» pflegen. Deutschland folgt oft einem anderen Kommunikationsstil, mehr dem «Anordnen». In der Schweiz redet man in der Regel mehr miteinander, sucht den Kompromiss. Den Vorgang der «Vernehmlassung» (wunderbarer Helvetismus), den habe ich erst in der Schweiz kennen gelernt. Natürlich ist das Finden von Kompromissen zeitaufwendig; «mal kurz den Tarif durchgeben» geht schneller, scheint effektiver. Dafür «verhebt» (wieder ein Helvetismus) ein Kompromiss oft länger und ist nachhaltiger als ein konfrontativer Beschluss. Angesichts zunehmender Polarisierungen in unserer Gesellschaft ist daher mein Wunsch an Schweizer:innen, dass sie ihrem Talent für Kompromisse «Sorge tragen» (ein nächster Helvetismus. Es ist schon auffällig, wie viele Helvetismen es im Kontext «Kompromiss» gibt). PS: Nach mehr als 20 Jahren in der Schweiz fühle ich mich hier zuhause. Aber ist die Schweiz damit auch meine Heimat?»

«Habt mehr Mut, Hochdeutsch mit Deutschen zu sprechen. Eure helvetische Färbung wirkt auf die meisten Deutschen sympathisch.»

Katrin Ackermann

Katrin Ackermann schreibt: «Erhaltet und pflegt die Vielfalt eurer Mundarten. Sie sind so reich im Ausdruck. Das etwas Altmodische der Mundarten beruhigt die Nerven und trägt viel zu einem entspannten, respektvollen Miteinander bei. Behaltet euren Respekt gegenüber anderen Sprachen, vor allem gegenüber euren Landessprachen. Dass ihr Fremdwörter nicht eindeutscht, wirkt respektvoll. Französische Wörter bleiben hier französische Wörter, ebenso werden italienische Wörter selbstverständlich italienisch ausgesprochen. Habt mehr Mut, Hochdeutsch mit Deutschen zu sprechen. Eure helvetische Färbung wirkt auf die meisten Deutschen sympathisch. Ihr sprecht zwar langsamer und manchmal umständlicher, aber das Gesagte wirkt häufig überlegter und höflicher als das zackige Deutsch der Deutschen.»

Und mein Wunsch an die Deutschen: Steht zu euren regionalen Mundarten. Sprecht Dialekt, auch im Norden und im Osten. Dialekt verbindet, erdet und sollte nicht als provinziell oder unbedarft verspottet werden.

Beitrag von:

Heinz Gfeller (76)

ist pensionierter Seminar-/Gymnasiallehrer, Deutsch und Französisch, geht weiterhin gern seinen Spezialitäten nach, reisend, lesend, schreibend…

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