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Philoso4en: Babyboom und Klimakrise

Die Klimaerwärmung ist längst Tatsache - heute ist die Diskussion hitzig wie nie zuvor. Doch wer ist verantwortlich? Ist es die Generation der Babyboomer, welche die Erde nicht gerade bescheiden für sich in Anspruch genommen hat?

Donnerstag, 22. August 2019 Arbër Shala (32)Fritz Zurflüh (72)Mara Ludwig (24)Robert Frauchiger (76)
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Für Fritz Zurflüh ist klar:
«Wir sind das Klima!» Bilder: Mara Ludwig

Schuldzuweisungen bringen nichts, sie lenken nur von den Grundproblemen ab! Diese sind eine kulturell bedingt – und betrifft Junge wie Alte. Der Kabarettist Georg Schramm hält die Habgier für das erfolgreichste Prinzip der abendländischen Zivilisation. Für Erich Fromm ist Gier das Ergebnis einer inneren Leere. Der Gierige bekommt nie genug, er ist unfähig zu geniessen, er ist ein Kranker – und er wird nie freiwillig Verzicht leisten. Deshalb bleiben alle Aufrufe zum Klimaschutz wirkungslos. Ein Kranker muss zuerst heil werden – heil heisst bekanntlich ganz (englisch: whole). Er muss sich neu bewusst werden, dass er verantwortlich in ein grosses Ganzes eingebunden ist. Die Gier verfälscht das Menschsein, sie kappt die Verbindung zum Herzen. Ein Jugendlicher fragte in der Klima-Arena: Wie wollen wir leben? Das Klima spiegelt uns die Kultur, die wir leben!

«Die Klimaerwärmung gibt es nicht erst seit gestern», findet Arbër Shala.

Betrachtet man den Lebensstil der Babyboomer ganz nüchtern, könnte man meinen, sie trügen eine grössere Teilschuld an der Klimaerwärmung als die jüngeren Generationen. Rein finanziell können sie sich auch mehr leisten, seien es Familienwagen oder Eigenheime, die einen grösseren CO2-Ausstoss verursachen als die paar Flugreisen und Zugfahrten der Jüngeren quer durch die Welt. Allerdings erscheint mir diese Antwort dann doch zu banal, denn sie differenziert nicht: Die Klimaerwärmung gibt es nicht seit gestern und möglicherweise war der Klimaschutz unter den Babyboomern noch kein Thema – die Hippiebewegung mal ausgenommen. Fakt ist jedoch, dass die Klimakrise existiert und wir handeln müssen, und das geht nun mal nur gemeinsam. Ein altes Sprichwort besagt nämlich: «Die Suppe, die wir gemeinsam kochen, löffeln wir auch gemeinsam aus.»

«Wir müssen zusammen gegen den Klimawandel vorgehen», sagt Mara Ludwig.

Die Frage, ob die Babyboomer nun am Klimawandel Schuld sind, ist doch irrelevant, oder? Es spielt doch keine Rolle, ob sie oder wir es sind, die den Klimawandel verursachen. Ich selbst gehöre nicht zu den Babyboomern, bin ein 2000er Kind. Wenn ich mich in meinem Umfeld umsehe, dann erkenne ich kaum Unterschiede im Verhalten der Umwelt gegenüber. Das bestätigt insofern die Tatsache, dass wir alle Schuld sind am Klimawandel, doch es beantwortet nicht die Frage, was wir dagegen tun können. Um ihn aufzuhalten müssen wir Massnahmen ergreifen: Klamotten von fairen Labels oder Secondhandkleidung kaufen, regional und saisonal essen, Plastik vermeiden oder mal anstatt des Autos das Fahrrad zur Arbeit nehmen. Es klingt sehr einfach, doch das ist es leider nicht. Wenn wir zusammenhalten, können wir es trotzdem schaffen, den Klimawandel aufzuhalten.

Laut Robert Frauchiger solle man «innehalten».

Ich bin ein Babyboomer. Im geistigen Auge sehe ich mich in einer riesigen Welle im Meer inmitten all meiner Mit-Babyboomer. Seit 69 Jahren treibe ich da mit. Zwischen der Silent -Generation und der Generation X sind wir eine sehr grosse Welle. Ich sehe über mir auch eine sehr grosse Wolke mit Emmissionen, die auch die grossen Wolken der Nachbargenerationen überragt. Seit Jahren sehe ich als sozial mittreibendes Wesen mit Unbehagen diese stetig wachsende Wolke von 38 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. Gelegentlich schaffe ich es auch auf die Spitze der Welle und sehe uns auf den Strand zugehen, vor uns branden bereits die ältesten der Silents an den Meeresstrand. Bald sind wir die vorderste Welle – wie wärs mit einem Lebensgewohnheiten-Check? Innehalten, handeln, uns engagieren, argumentieren, an die Urne gehen – das ist doch was für alle Generationen?!

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Beitrag von:

Arbër Shala (32)

lebt in Thun. Er ist ursprünglich gelernter Kaufmann sowie studierter Multimedia-Produzent und -Publizist und hat einige Jahre als freier Journalist für das Thuner Tagblatt geschrieben. Zurzeit arbeitet er u. a. im Community Management bei SRF News. Zu seinen Hobbies zählen Bildende Kunst, Sprachen, Sport, Musik, Salsa und Theater.

Fritz Zurflüh (72)

Erfahrungen in Personal-/Organisationsfragen, leidenschaftlicher Dialogisierer zu Un-/Sinn unseres Denkens und Tuns.

Mara Ludwig (24)

Mit einem Fuß in den Basler Hörsälen für Medienwissenschaften und Kulturanthropologie und dem anderen in einer Berner Gen-Z-Agentur kämpft sie nicht nur mit Deadlines und Uni-Druck, sondern daneben noch mit dem ständigen Balanceakt ihrer Selbstständigkeit im digitalen Dschungel. Wirklich abschalten? eher schwierig... doch in der Schauspielerei, der Musik und dem Poetryslam, finden sich Gelegenheiten zu kreativen Ausgleichen.

Robert Frauchiger (76)

Pensioniert. Er bewegt sich in seiner neuen Freiheit gerne in der Natur, liest viel und macht sich Gedanken über das Wesen der Welt und unserem Platz darin. Liebt Musik. – Blues, Blues Rock.

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